What’s happening?

Täglich passieren Dinge. Still, beinahe unbemerkt. Als hätten sie keinerlei Relevanz für uns. Das Europäische Patentamt hat Monsanto ein Patent für natürlichen Brokkoli zugesprochen.

Monsanto hat sich über Jahre die Zähne daran ausgebissen, in Europa gentechnisch modizifierte Lebensmittel (GMO) zu verbreiten, um dann anschließend nicht-modifizierte Lebensmittel zu verdrängen. So wie es mit Mais in den U.S.A. und Mexico gemacht haben. So, wie sie es mit Reis in Indien tun. Monsanto hat dabei immer mit größter Heiligkeit versichert, den weltweiten Hunger bekämpfen zu wollen. Tatsächlich leisten die GMOs in dieser Hinsicht keinen Fortschritt – vielmehr geht es um die weltweite Vorherrschaft bei Grundnahrungsmitteln, also um Macht und um Geld.

Monsanto hat sich aus Europa im Sommer 2013 nach vergeblichem Kampf für GMOs bezüglich dieses Themas zurückgezogen, weil viele Menschen in Europa die Klugheit hatten zu erkennen, dass die Einführung von GMOs ihr Leben verschlechtern würde. Anders als die Menschen in Mexico und Indien hatten sie auch die Mittel, ihren Wunsch so nachdrücklich zu vertreten, dass ihm Folge geleistet wurde.

Nun ist Monsanto zurück. Still haben sie sich angeschlichen und beinahe unbemerkt zugeschlagen. Nachdem sie es in Europa mit GMOs nicht geschafft haben, haben sie nun einfach ein Patent für NICHT-modifizierte Lebensmittel (in diesem Fall Brokkoli) erhalten. Dabei handelt es sich um einen Präzedenzfall, d. h.: den Hunderten folgenden, bereits gestellten, Patentanträgen auf weitere Lebensmittel wird zugestimmt werden. Es ist der Anfang der Realität, dass ein U.S.-amerikanischer Großkonzern täglich Geld von 300.000.000 Europäern erhalten wird, wenn diese sich Obst, Gemüse oder Getreide kaufen.

Wenn man sich vor Augen führt, wie eng Monsanto und sein gesetzlicher Wegbereiter, die U.S.-Regierung miteinander verknüpft sind, wird klar, dass uns Europäern hier quasi eine Besteuerung seitens der U.S.A. aufgezwungen wird. Und das ist nur ein kleiner Vorgeschmack auf TTIP.

Ganz erstaunlich aber ist: das mediale Echo, das einer solchen Entscheidung angemessen wäre? Der riesengroße Aufschrei – bleibt vollkommen aus. Wo ist die BILD-Zeitung, die sich darüber beschwert, dass jedem ihrer Kunden demnächst täglich Geld aus der Tasche gezogen wird?

Und noch viel erstaunlicher: wo sind die demokratisch gewählten Volksvertreter, die per Amtseid das Wohl ihres Volkes zu verteidigen verpflichtet sind? Wo ist ihre schützende Hand, damit solche Ereignisse gar nicht erst geschehen? Wo ist ihre Stimme? Jämmerlich erstickt.

Sie gehen in Deckung. Weil sie längst gekauft sind. Weil sie längst skelettlose Geißeln der U.S.-amerikanischen Großkonzerne geworden sind. Weil sie keinen Willen oder auch keinen Mut haben, sich für das Wohl ihres Volkes stark zu machen.

So wird es nicht überraschen, wenn TTIP durchgewunken wird. So überrascht es nicht, wenn politische Programme und Reformen in Griechenland seitens der EU allein aus dem Grund abgelehnt werden, dass sie die neoliberale europäische Politik schwächen würden, obwohl sogar dem deutschen Finanzminister vollkommen klar ist, dass die griechischen Vorschläge sehr zum Wohl der Menschen in Griechenland gewesen wären.

Es geht den Herrschenden nicht mehr um das Wohl der Menschen. Es geht ihnen um den Erhalt ihrer eigenen Macht. Um die Maximierung des persönlichen Reichtums.

Dabei stellt sich aber die Frage: sind diese Menschen, die an sich gebildet sind (davon ist immer noch auszugehen) und denen es an Geld zum gesicherten und komfortablen Leben gewiss nicht mangelt, wirklich so kurzsichtig zu glauben, dass es ihnen persönlich besser geht, wenn sie sich kaufen lassen und gegen das Wohl ihrer Völker entscheiden? Halten diese Menschen gar nichts mehr vom Guten Gewissen? Von dem positiven und erfüllenden Gefühl, etwas Gutes getan zu haben? Sollte nicht ihre ganz persönliche innere Glückseligkeit wichtig genug dafür sein, dass sie zum Wohle der Völker handeln?

Die steigende Skrupellosigkeit politischer Vorgänge und Entschlüsse (siehe TTIP, CETA, TISA und die griechische Geißelung als Beispiele) legt nah, dass auf globaler Ebene große Dinge geschehen. Warum sonst sollten amerikanische und andere westliche Konzerne es so dermaßen nötig haben, sich zu Lasten der Menschen in ihren eigenen Ländern derart zu bereichern?

Es herrscht latente Ratlosigkeit, was hier eigentlich vor sich geht. Als Teilnehmer der Bilderberger-Konferenzen würde man höchstwahrscheinlich die Antwort kennen. „Den Russen“ braucht „der Amerikaner“ sicher nicht zu fürchten, denn dieser ist wirtschaftlich viel zu schwach (zudem militärisch total eingekreist).

Vielleicht, auch vielleicht am allerwahrscheinlichsten, liegt das amerikanische Problem in „dem Chinesen“. China schickt sich an, den Amerikanern den Titel der stärksten Wirtschaftsmacht streitig zu machen. Deshalb versuchen die Amerikaner mit einer nie dagewesenen Aggressivität, ihre Macht auszubauen. Präsident Obama hat gesagt: „America must always lead on the world stage.“ Als Deutscher kennt man die zugrundliegende Mentalität zwar vielleicht vom FC Bayern München. Nur, dass es hier um mehr geht, als um Fußball. Es geht um den Führungsanspruch in der Welt. Selbiger hat die Amerikaner seit Ende des zweiten Weltkriegs bereits zu 50 Übergriffen auf andere Staaten getrieben – und nun ist der europäische Bürger an der Reihe.

Sie werden ihre Macht in Deutschland ausbauen. Sie werden uns weiter ausnehmen. Wie können wir das verhindern?

Indem eine Regierung wählen, die sich nicht vollkommen der U.S.-Wirtschaft unterwirft. In der das Kürzel CDU keinen Platz hat. Wobei auch SPD und FDP den U.S.A. gegenüber seit Jahrzehnten keine deutliche Haltung gezeigt haben. Wenn uns wirklich daran gelegen ist, dass in unserem Land Politik betrieben wird, die den Menschen dient und nicht der Macht der bestehenden Eliten, bleiben uns meines Erachtens nur zwei Möglichkeiten:

A) Entweder linke Parteien wählen (z. B. Die Linke oder Die Grünen).
B) Oder ein neues Wirtschaftssystem wählen bzw. vorantreiben (z. B. die Gemeinwohlökonomie).

Wie auch immer wir uns entscheiden: es ist besser für uns, als dem gegenwärtigen Machtmissbrauchs-System weiter Vorschub zu leisten. Und: es ist wichtig, dass wir uns für eine Alternative entscheiden – sonst ändert sich an den bestehenden Verhältnissen genau nichts.